PRODUKTBERICHT - Stübben Equi-Soft Sattelgurt

So ziemlich jedem, der auf Social-Media Reitsportkanälen unterwegs ist, ist dieser außergewöhnliche Sattelgurt schon einmal aufgefallen. Er besticht durch sein außergewöhnliches Aussehen und reizt das Interesse durch tolle Versprechungen.

Die Rede ist vom Stübben Equi-Soft Sattelgurt. Bei vielen hört das Interesse allerdings mit der Preisangabe ganz schnell auf und man fragt sich allenernstes - für einen Sattelgurt? Serious?

So musste auch ich schlucken, als ich nach einiger Recherche auf den Preis gestoßen bin.

Denn wenn wir mal alle ehrlich sind, einen Goldesel hat keiner von uns zu Hause stehen und der Preis ist schon sehr stolz für einen einfachen Gurt.

Wobei wir beim springenden Punkt wären: einfach. Denn ein einfacher Gurt ist dieser scheinbar nicht.

Ich wollte mir das außergewöhnliche Teil genauer ansehen, wollte es testen, bevor ich den dicken Batzen an Geld auf die Ladentheke legen würde und mich das Produkt am Ende doch nicht überzeugt.

Ich bin darauf gestoßen, dass bei Vorauszahlung des vollen Kaufpreises der Gurt probeweise über Stübben und andere Fachhändler ausgeliehen werden kann. Ich hielt es für keine schlechte Idee, schob es allerdings immer weiter vor mir hin.

Als mitte Februar unser Sattler zum Routinebesuch und zur Kontrolle bei uns war, sprach ich ihn auf das Phänomen "Stübben Equi-Soft" an. Er sagte mir ganz ehrlich: die einen lieben diesen Gurt, die anderen geben ihn wieder zurück - weil sie keinen Unterschied merken und finden es einfach überteuert.

Wie der Zufall es wollte, hatte er ein Modell in seinem Bulli, welches ausgerechnet unsere Größe war und bot uns an, diesen zum Testen dazulassen. Gesagt, getan. Der Gurt zog zunächst zur Probe bei uns ein.

 

Die Funktion

Stübben beschreibt die Funktion des Gurtes auf ihrer Homepage (http://www.stuebben.com) wie folgt:

 

"Das geniale und exklusive System aus elastischen Bändern bietet eine perfekte Gurt-Druck-Verteilung. Natürliche Abwehrreaktionen beim Angurten werden gemindert (z.B. Treten, Beißen, Ablehnung des Gurtes).
Das besondere Design erlaubt dem Pferd ein unerschwertes Ausdehnen des Brustkorbs. Die Bänder weiten und engen sich beim Aus- bzw. Einatmen, wobei der Druck konstant und gleichmäßig verteilt wird.
Eine wissenschaftliche Studie verschiedenster Gurte belegt: Alle Pferde behielten bei der Verwendung eines Stübben Equi-Soft®-Gurtes eine deutlich niedrigere Herzfrequenz - ausnahmslos."

Darauf folgt der Werbespruch: "Mehr als ein Gurt - ein Erlebnis"

 

Nunja, klingt seeeeeehr vielversprechend. Aber was einen Eindruck habe ich?

Ich muss sagen, dass Wodka keinen Sattelzwang oder ähnliches hat. Lediglich fängt er gelegentlich an zu scharben, wenn ich sattle. Allerdings scharbt er immer wieder gerne mal wenn ihm langweilig ist, er irgendwo angebunden stehen und warten muss. Ich bewerte es daher nicht unbedingt als "Ablehnung eines Gurtes" bei ihm. Das Scharben ist auch mit Stübben Equi-Soft Sattelgurt nicht verschwunden. Er macht es weiterhin gelegentlich. Allerdings habe ich tatsächlich das Gefühl, dass es besser geworden ist. Einbildung ist auch eine Bildung - ja. Ich werde es weiterhin beobachten aber zurzeit tendiere ich doch dazu, dass es Besserung gegeben hat.

Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass bei Pferden, welche diese o. g. Probleme haben, der Gurt sehr effektiv sein kann. Alleine vom logischen Gedankengang her, stelle ich es mir viel angenehmer vor, dass der Druck beim Gurten durch die Gummiringe verteilt wird. Ich stelle mir das mit einem Gürtel bei uns vor. Macht man diesen immer wieder ein Loch enger, dann kann das irgendwann unangenehm sein. Um in das Loch zu kommen, muss der Gurt noch ein bisschen enger gezogen werden und es könnte quetschen und weh tun. Wenn ich mir jetzt aber Gummiringe zwischen meinem Gürtel vorstelle, dann ist das Gurten durch die gewonnene Elastizität gar nicht mehr so unangenehm, weil mir das Gummi kurzzeitig mehr Spielraum bietet und sich dann langsam wieder zurückzieht.

Der Gurt ist in drei Teile unterteilt. diese sind mit den Gummis miteinander verbunden. Durch die Beweglichkeit kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Atmung und Bewegung dem Pferd mit dem Gurt angenehmer gemacht wird und der Druck besser verteilt wird. Ich habe mich einmal unter den Pferdebauch begeben und wenn man das Pferd beim Atmen beobachtet. Hier sieht man ganz deutlich, dass sich die Gummis weiten und wieder zusammenziehen. Bei einem Leder- oder Neoprengurt ist dies nicht gegeben. Dieser sitzt starr in der Sattelgurtlage auf und ich stelle mir vor, dass das innovative-System, welches Stübben auf den Markt gebracht hat, deutlich angenehmer sein muss.

 

Die Optik

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es der schönste Gurt ist, den ich je gesehen habe. Er sieht anders aus, interessant anders. Eben untypisch. Es lässt vermuten, dass durch den breiten Verlauf des Gurtes er sehr klobig und dick wirkt. Das finde ich allerdings gar nicht. Zumindest nicht bei einem Großpferd, bei dem die tatsächliche Auflagefläche des Gurtes auf dem großen Pferdebauch verloren geht. Ich würde sagen, dass er nicht auffälliger ist, als ein normaler Lammfellmondgurt.

 

Der Gurt ist extrem gut und hochwertig verarbeitet. Man hat das Gefühl, etwas mit sehr hoher Qualität in der Hand zu halten, was mit viel Überlegung und Detailliebe hergestellt wurde. Die Strupfen sind aus wildlederähnlichem Material hergestellt, was mich zunächst verunsichert hat. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um echtes Leder oder Stoff handelt, aber ich konnte mir vorstellen, dass dieses Material ein echter Haarmagnet sein würde, der schnell dreckig aussieht. Dem war allerdings nicht so. Die Gummis sind sehr robust und machen einen stabilen Eindruck. Besonders gefällt mir die Option, dass man mit Klett das Polster des Gurtes nach belieben austauschen kann. Aktuell haben wir die Lammfell-Variante. Ich könnte mir allerdings auch sehr gut vorstellen, vielleicht irgendwann das Neopren- oder Lederpolster dazuzukaufen. Jedoch kommt hier wieder der immense Preis zum Vorschein.

Die Handhabung

Etwas, womit ich mich am Anfang sehr schwergetan habe. Durch die Gummis ist der Gurt - wie gesagt - sehr elasisch. Doch wie weit gurtet man da jetzt nach? Bis die Gummis voll auf Spannung sind? Dann geht aber der Effekt doch verloren. Oder doch lieber nur so, dass sie locker ihre Form behalten. Rutscht der Sattel dann nicht?

Da musste ich erstmal rumtüfteln. Mir ist aufgefallen, dass der Gurt erstaunlich gut und fest sitzt, wenn er doch locker zu sein scheint.  

Ich habe versucht, im Internet etwas zu recherchieren, wie sehr man denn jetzt gurten sollte. Bin aber leider nicht schlauer geworden. 

Ich habe ein bisschen rumprobiert und mich dazu entschieden, immer etwas lockerer zu gurten, als auf dem Bild oben. Der Sattel sitzt nämlich dennoch fest und die Gummis haben noch genug Spielraum um sich zu entfalten und zusammenzuziehen.

Ansonsten wird darauf hingewiesen, dass der Gurt immer von beiden Seiten gleichviel nachgegurtet werden sollte, ganz logisch: Damit die drei Elemente des Gurtes immer mittig auf dem Pferdebauch sitzen. 

 

 

Das Reitgefühl

Der entscheidende Punkt, warum ich mich letztendlich dazu entschieden habe, dass der Sattelgurt bei uns einzieht. Schon bei der ersten Verwendung hatte ich das Gefühl, dass Wodka freier, flüssiger und offener läuft. Seine Bewegung war irgendwie ungehemmter und zufriedener. Man mag es als Unsinn abtun und man kann daran zweifeln, dass ein Gurt solche Änderung bezweckt. Aber ich hatte das Gefühl, ein deutlich zufriedeneres Pferd unter mir zu spüren, welches sich so viel lieber bewegt. Und dieses Gefühl hat auch bei den nächsten Benutzung nicht nachgelassen. Seitdem der Gurt zu unserem Equipment zählt,  ist Wodka zufriedener. 

Mein Fazit

"Mehr als ein Gurt - ein Erlebnis" Ein Werbespruch, dem ich zustimme. Allerdings beginnt das Erlebnis als allererstes im Portemonnaie. Bis dieses dann überwunden ist, kann man sich an einem ganz tollen Produkt erfreuen, welches unseren Alltag eindeutig bereichert hat. Ich bin glücklich, die Entscheidung getroffen zu haben und nun einen Gurt zu besitzen, der uns hoffentlich einige Jahre begleiten wird. Für uns ist das innovative System von Stübben sehr effektiv und hat bei uns definitiv etwas bewirkt. Ob das bei jedem so ist, kann ich nicht sagen, allerdings möchte ich jedem ans Herz legen, der damit liebäugelt sich diesen Gurt zuzulegen: Leiht ihn euch aus und probiert, was das Zeug hält! Vielleicht bietet ja auch euer Sattler des Vertrauens die Möglichkeit, jenen bei ihm direkt auszuleihen. Ansonsten gibt es online mehrfach die Möglichkeit, sich das Produkt testweise zuschicken zu lassen. 

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mir von euren ganz persönlichen Erfahrungen und eurer Meinung berichtet.

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Kommentare: 9
  • #1

    Laura (Dienstag, 20 März 2018 16:50)

    Ein ganz toller Testbericht! Vielen Dank. Ich werde die Tage meine Sattlerin anrufen und sie fragen, ob sie den Gurt hat. Möchte ihn unbedingt testen!

  • #2

    Vanessa U. (Freitag, 13 April 2018 11:27)

    Der Gurt ist klasse! Verkaufe alle meine bisherigen Gurte.
    Für mich kommen nur noch dieser hier in Frage!! Tolles Produkt.

  • #3

    Karin R. (Dienstag, 19 Juni 2018 02:20)

    Habe mir nach langen überlegen diesen Gurt auch gekauft. Mein Pferd läuft zufriedener und atmet ruhiger. Würde meinen percheron mit keinen anderen Gurt mehr reiten.

  • #4

    Kati (Mittwoch, 27 Juni 2018 14:18)

    Dein Testbericht ist super informativ. Eine Frage habe ich noch: hast Du den Gurt in der Länge gekauft, die Du vorher bei Wodka hattest oder eher länger/kürzer?

  • #5

    Birgit (Samstag, 04 August 2018 13:39)

    Hallo! Ich habe den Gurt auch getestet und finde ihn toll. Ich bin mir nur unsicher welche Länge ich nehmen soll... welche Länge hast du genommen?

  • #6

    Oona (Donnerstag, 22 November 2018 16:49)

    Ein toller Bericht!
    Aus wie vielen Teilen besteht der gurt gennerel?

  • #7

    Stefanie (Montag, 22 April 2019 19:54)

    Toller Bericht. Danke für deine Mühe!

  • #8

    Anna (Montag, 06 Januar 2020 22:25)

    Hi, ich habe den Gurt ebenfalls. Mir wurde gesagt man soll den Gurt so „fest“ ziehen das man zwischen den Vorderbeinen noch eine Hand zwischen Gurt und Pferde Bauch schieben kann.
    Stübben ist bei Fragen immer sehr hilfsbereit ��

  • #9

    Yve (Mittwoch, 05 Juli 2023 14:09)

    Hellö, ich weiß der Post ist schon älter, aber ich würde auch gern mein Ergebnis zu dem Sattelgurt mit dir teilen - falls du ihn noch haben solltest ;) (abgesehen davon, dass es auch normale Sattelgurte mit der "Gummi-Technik" gibt... ist es nicht direkt unbedingt "neu". Bei den anderen Gurten sind meisten dann die Strippen dann als "Gummi" und geben nach).

    Na ja zurück zum eigentlichen Thema:

    Mir hatte eine Freundin ihn empfohlen, weil er bei ihrer Ponystute so gut passte und das Rutschen des Sattels gemindert hat. Ich konnte ihn auch vorher testen und danach gebraucht für einen guten und fairen Preis kaufen. Da mein Pferd n Magenpatient ist, war der Gurt tatsächlich optimal für sie; sie hatte ihn sofort gut angenommen.

    Leider stellte sich immer wieder im Fellwechsel und Sommer das Problem: Er rutschte bis zum Ellebogen und Scheuerstellen bildeten sich. Ich musste immer wieder zwischen Schnurengurt und dem Equisoft wechseln, bis ich ihn fast gar nicht mehr genutzt habe. Aber leider kam mein Pony noch nie gut mit Schnurengurten zurecht und hatte wieder deutliche Magenanzeichen gegeben.

    Wir haben jetzt noch tiefer in die Tasche gegriffen (ja... es gibt noch teurere Gurte) und den Backtrack-Gurt von Scharf aus Dänemark bestellt. Anfangs hatte sie noch Abwehrreaktionen gezeigt, aber das hatte sich damit auch schnell erledigt und er rutscht nicht so weit nach vorne. Jetzt bin ich erstmal auf die Fellwechselzeit und anschließend den Winter gespannt.